Engel lieben bedingungslos

Vor einiger Zeit wohnte ein kleines Mädchen gemeinsam mit ihren Eltern am Rande einer großen Stadt. Sie lebten in einem kleinen Haus, umgeben von einem wunderschönen Garten. Das Mädchen, sie hieß Alina, saß oft im Garten, träumte einfach so vor sich hin oder sah den Schmetterlingen und Bienen zu.

Eines Tages, sie war gerade auf dem Weg zur Schule, sah sie, wie ein etwa gleichaltriges Mädchen einige Schritte vor ihr den gleichen Weg entlang ging. Zögernd drehte sich das andere Mädchen immer wieder um. Bis sie stehen blieb und Alina fragend ansah. Alina wurde es ganz seltsam zumute, sie spürte etwas eigenartiges in sich, konnte aber nicht genau deuten, was es war. „Hi“ sagte das Mädchen. Alina schaute sie immer noch an. Dann ging ein Ruck durch ihren Körper, grad so, als wäre sie aus einem Traum erwacht. „Oh, hallo“ sagte Alina. Sie gab ihr die Hand. „Ich bin Alina.“ „Und ich heiße Mia.“ Sie schauten sich immer noch in die Augen. Von Ferne hörten sie die anderen Kinder rufen: „Der Bus kommt!“ Sie rissen sich voneinander los und gingen völlig verwirrt zu den anderen.

Den Schultag erlebte Alina wie durch einen dichten Schleier, Mia erging es genauso. Immer, wenn sie sich ansahen, kribbelte es überall und sie konnten kaum ihre Blicke voneinander lösen. Irgendwie brachten sie die Stunden herum und konnten endlich befreit aufatmen. Jeder wollte erst mal zu sich nach Hause, um etwas Abstand zu schaffen und allein mit seinen Gedanken zu sein.

Alina saß wieder auf ihrem Lieblingsplatz im Garten und hatte alles um sich herum vergessen. Da spürte sie auf einmal, wie sie jemand an den Haaren zupfte. Erschrocken drehte sie sich um. Aber da war niemand. Plötzlich hörte sie eine Stimme, die leise zu ihr sprach: „Hallo, Alina. Kannst du mich hören?“ Alina nickte erstaunt. Sie konnte wirklich hören, wie jemand mit ihr sprach. „Wer bist du? Ich kann dich nicht sehen,“ sagte Alina. „Schau, ich bin hier, neben der kleinen roten Blume.“ Alina schaute zur Blume. Da plötzlich nahm sie eine Gestalt wahr, zart und leicht durchsichtig und wunderschön. „Ich bin der Blumenengel“ sagte das Wesen. „Du bist wunderschön. Lebst du schon lange hier?“ fragte Alina. „Na ja, eine ganze Weile schon. Ich bin immer da, wenn du hier sitzt und träumst. Ich kann deine Träume hören.“ sagte der Engel. In dem Moment rief Alinas Mutter sie ins Haus. „Ich muss jetzt gehen, sehe ich dich wieder?“ „Ja, ich bin immer hier und warte auf dich.“ sprach der Blumenengel. Erleichtert sprang Alina auf und lief ins Haus.

Einige Tage später. Alina und Mia hatten sich angefreundet. Sie gingen händchenhaltend zur Schule, machten alles gemeinsam und waren kaum zu trennen. Sie fühlten sich miteinander sehr vertraut und wussten oft schon im Voraus, was den anderen bewegt oder was er denkt. Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. Mia begann, an Alina herum zu mäkeln. Sie sagte: „Du könntest ruhig mal mit mir und den anderen in die Stadt kommen. Oder wir fahren mal ins Freibad.“ Alina schaute erstaunt: „Ich habe dir doch erklärt, dass mich das nicht sonderlich interessiert. Ich bin am liebsten im Garten bei meinen Blumen“ sagte sie. Mia schüttelte den Kopf: „Aber das ist doch auf Dauer langweilig.“ Alina stiegen die Tränen in die Augen. Traurig schaute sie Mia an und rannte davon.

Unterwegs dachte sie, warum will sie mich nicht verstehen? Völlig verzweifelt kam sie zu Hause an und ging gleich zu ihren Blumen. Da hörte sie wieder die feine, zarte Stimme: „Hallo Alina, kann ich dir helfen?“ Das war zu viel für sie, sie brach in Tränen aus. Als sie sich einigermaßen erholt hatte, sagte sie: „Ich verstehe das nicht.Warum kann Mia mich nicht so sein lassen, wie ich bin? Hier fühle ich mich wohl und bin glücklich, aber sie will immer, dass ich mit ihr in die laute Welt komme.“ Der Engel sagte: „Weißt du, Alina, Mia denkt noch nicht so weit. Sie hat einfach noch nicht verstanden, dass jeder Mensch einzigartig ist. Gut gehen kann es allen erst dann, wenn sich alle bedingungslos lieben und man nicht versucht, seine eigene Meinung den anderen aufzudrücken oder den anderen ändern zu wollen.“ Alina schaute erstaunt: „Ja, genau, das ist es! Wann wird Mia das lernen?“ fragte sie. „Ich glaube, sie braucht noch etwas Zeit. Aber sie hat auch hilfreiche Engel an ihrer Seite, die sie unterstützen werden.“ sagte der Blumenengel.

Erleichtert und wieder mit einem Lächeln im Gesicht sagte Alina: „ Gut, so will ich warten und vielleicht kann ich ihr es ja auch schon zeigen, wie das geht mit der bedingungslosen Liebe. Ich weiß ja jetzt, wie es sich anfühlt.“ Jetzt schaute der Engel erstaunt: „Ach ja?“  fragte er. „Ja,“ sagte Alina, „du zeigst es mir doch gerade.“ Da musste der Engel lachen und sagte: „ Ja, Alina, du hast Recht – Engel lieben bedingungslos.“

Werbeanzeigen