Auf der Suche nach dem Herz

Vor langer Zeit wurde ein Mädchen hier auf der Erde geboren. Es kam wohl direkt von den Sternen, denn ihre Augen leuchteten golden und sie sprühte vor Lebensfreude und war voller Energie. Sie wuchs heran und verbrachte viel Zeit in der Natur, sprach mit den Bäumen, spielte mit den Feen und Engeln, hörte dem Wind zu und sang mit ihm und war immerzu unterwegs. Sie fühlte sich beschützt und geborgen, hatte viele Freunde um sich und war glücklich. Doch gingen die Jahre ins Land und ihr wurde immer wieder gesagt, sie solle dies oder jenes tun, solle sich so verhalten wie die anderen Kinder und hatte immer weniger Zeit, sich in ihrer geliebten Umgebung aufzuhalten. Sie vermisste ihre Freunde, die Engel, sie vermisste die Bäume, den Wind und die Freiheit.  

Zunehmend wurde sie trauriger und fühlte sich immer mehr verlassen. Die Engel schafften es kaum noch, sich bei ihr bemerkbar zu machen, auch die anderen Wesen hatten keine Chance mehr bei ihr. Denn sie verschloss ihr Herz und ihre Gefühle, spürte ihre Feinfühligkeit nicht mehr und funktionierte nur noch. Um ihr Herz baute sie eine Mauer nach der anderen, um all den Schmerz nicht spüren zu müssen. Und sie sah, wie andere damit umgingen, wie sie sich glücklich wähnten, indem sie Dinge taten, die ihnen oftmals nur ein kurzes vermeintliches Glücksgefühl bescherten. Sie suchten die Freude und die Liebe, suchten sie in materiellen Dingen, suchten sie bei anderen Menschen. Und wenn sie glaubten, sie gefunden zu haben, auch wenn es nur ein klitzekleiner Teil war, dann wollten sie sie festhalten. Doch das funktionierte nicht auf Dauer und schon bald war der Schmerz noch größer, entweder standen sie allein da oder fühlten sich, obwohl umgeben von anderen Menschen, verloren und einsam.  

So gingen Jahre ins Land, der innere Kampf wurde härter, die Mauern noch höher und der Schmerz im Inneren nahm zu. Ihr Herz konnte sie schon lange nicht mehr spüren, Tränen kannte sie auch nicht, dafür kamen Schmerzen des Körpers dazu. Doch da begann sich eine Stimme zu regen, ganz leise und verhalten, doch sie rief verzweifelt und wollte erhört werden. Sie hörte erstaunt, dass sich in ihrem Inneren etwas regte, schüttelte verwundert den Kopf – und machte weiter wie bisher. Doch die Stimme ließ nicht locker, jetzt schlich sie sich auch noch in ihre Träume, ließ sie nachts kaum noch schlafen und brachte Unruhe in ihr Leben. Sie versuchte, diese noch zu ignorieren. Bis sie eines Tages in einem Geschäft ein Buch stehen sah, dass den Titel hatte „Dein Weg ins Herz“. Dieses Buch zog sie magisch an, sie nahm es mit nach Hause und war sofort darin versunken. Nach den ersten Seiten, begann sich in ihr etwas zu bewegen und die ersten Tränen suchten sich ihren Weg. Erstaunt schüttelte sie ihren Kopf und konnte gar nicht begreifen, was da vor sich ging. Doch sie las weiter… 

und weiter und erkannte, dass die Stimme in ihr aus ihrem Herzen kam. Es wollte sich bemerkbar machen, schrie nach Liebe und Zuwendung. Fassungslos saß sie da und weinte hemmungslos, ließ all den Schmerz aus sich heraus und spürte, wie ein Teil der inneren Mauer verschwand. Sie fühlte sich etwas leichter und spürte tief in sich ein kleines Licht leuchten. In dieser Nacht schlief sie viel ruhiger und träumte von einem goldenen Engel, der sie mit in die Lüfte nahm. Mit diesem glücklichen Gefühl wachte sie auf und erinnerte sich plötzlich an die Jahre, als sie als Kind so unbeschwert mit den Elementen vertraut und unterwegs war. Sie machte sich sofort auf den Weg und besuchte ihren Wald von damals. Sie setzte sich unter einen Baum und schloss die Augen. Da spürte sie, wie sich um sie herum etwas bewegte. Vorsichtig sah sie sich um und nahm sie wieder wahr, die Feen und die Engel, sie hörte den Wind wispern und fühlte die Liebe zu sich strömen. Sie öffnete ihr Herz ganz weit und nahm sie in sich auf. Und ein Stein nach dem anderen purzelte von der Mauer, eine Träne nach der anderen hinterließ ihre Spuren in ihrem Gesicht. 

Doch sie war glücklich, sie spürte ihr Herz wieder, sie hatte es endlich gefunden. Sie fühlte sich eins mit allem um sich herum, sie war wieder sie selbst – ein Kind von den Sternen, gekommen um Liebe zu sein und Liebe zu geben.

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